27.01.2016 Informationsveranstaltung Crystal Meth: Die große Unterschätzung der tödlichen Droge

Die eindeutige Tendenz im Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz zeigt bei Drogendelikten und der Zahl der Drogentoten nach oben. Zu Beginn der Informationsveranstaltung des Arbeitskreises Schule, Bildung und Sport konfrontierte Vorsitzender Siegfried Wohlmann die Anwesenden mit erschreckenden Zahlen und Fakten. Bis Ende November 2015 hätten die Drogenfahnder in der Oberpfalz 14 Kilo Crystal Meth aus dem Verkehr gezogen. 2011 lag die Mende noch bei 11,7 Kilo. Aus dem Landeskriminalamt schreckt folgende Zahl auf: 2009 gab es 36 Schmuggelfälle in Grenzgebieten (Tschechien - Bayern z. B.), 2011 bereits 178 Fälle. Der Landkreis Neumarkt zähle zu den Schwerpunkten neben Cham und Wunsiedel.

In beeindruckender Weise informierten und klärten zwei Expertinnen, Diplompsychologin Nadine Braun und Sozialpädagogin Carrie Hills auf. Crystal-Konsum könne als Antwort auf die Bedingungen und Gegebenheiten unserer Gesellschaft verstanden werden. Leistungsgesellschaft und Schönheitsideal würden mit dem Wirkspektrum die Erwartungen einfordern. Angebliche Merkmale u. a.: „Mit Crystal kann man noch, wenn andere erschöpft sind. Mit Crystal hat man den Durchblick, kann man ewig am PC konzentriert sein.“

Braun zeigte den Weg der Abhängigkeitsentwicklung auf: Vom Gelegenheitskonsum über Wochenendkonsum übers so gen. Nachlegen am Mittwoch bis zum täglichen Konsum. Es mache wahnsinnig rasch süchtig und versetze den Konsumenten in einen Erregungszustand.

Bereits ab 1938 bis 1988 wurde die Droge unter dem Namen „Pervitin“ als Arzneimittel auf dem deutschen Markt bekannt. Ursprünglich wurde es eingesetzt zur Behandlung von Depressionen, die übrigens nach dem permanenten Genuss intensiv auftreten, Neurosen, Epilepsie und Alkoholismus.

Generell gelte: Einen risikofreien Konsum gebe es nicht. Je nach Reinheitsgrad hat Crystal eine vielfach stärkere Wirkung als andere Amphetamine. „Der Körper wird in eine Art Gefahrensituation versetzt und zu Höchstleistungen getrieben. Attraktiv für junge Menschen macht es vermeintlich gesteigertes Selbstbewusstsein, erhöhte körperliche Leistungsbereitschaft, verändertes Zeitempfinden, reduziertes Schmerzempfinden, erhöhter Kontaktwunsch oder Steigerung des sexuellen Verlangens,“ so Braun.

An negativen und gefährlichen Nebenwirkungen würden kurzfristig auftreten Hautjucken, Schwindel, Zittern, Herzrasen, Gedankenbeschleunigung oder Appetitlosigkeit, die als Folge rasche Gewichtsabnahme sichtbar macht. Langfristig treten auf Schlafstörungen, Psychosen, erhöhtes Aggressionspotential, Panikattacken, Persönlichkeitsveränderungen, Absterben von Nervenzellen und dauerhafte Angstzustände. Letztlich führe Dauerkonsum zu Nervenschäden im Gehirn und zu extremem körperlichen und psychischen Verfall .

Wie können Eltern, Lehrkräfte oder Arbeitgeber den Konsumenten erkennen? Antworten auf diese Frage gab Carrie Hills: Anzeichen können sein Impulsivität, Reizbarkeit, Verwirrtheit, starke Gewichtsreduktion, hoher Geldbedarf, sinkende schulische oder berufliche Leistung, Vernachlässigung wichtiger Lebensbereiche.

Gerade die Adoleszenz stelle eine Zeit des Umbruchs dar. Tiefgreifende Wandlung auf körperlicher Ebene, reale Ablösung vom Elternhaus und Risikoverhaltensweisen (Alkohol, Gewalt, Drogen), einschneidende Veränderungen im persönlichen und sozialen Umfeld sind Merkmale des Umbruchs, so Hills.

Begünstigende Risikofaktoren seien Beziehungsabbrüche, fehlende Unterstützung bei Stresssituationen, seelische Störungen, Gewalterfahrungen in der Familie, Inkonsequenz und Verständnislosigkeit der Eltern und des sonstigen sozialen Umfelds.

Was kann man tun, um der Drogenkonsumgefahr zu begegnen? Beide Expertinnen betonten, dass liebevoller Umgang, Verständnis, Gesprächsbereitschaft, Konsequenz, klare Grenzsetzung, positives Vorleben in der Familie ganz bedeutende Schutzfaktoren seien. Man müsse sich vor allem Zeit nehmen zum Beobachten und zum miteinander Reden. Der junge Mensch müsse die Unterstützungsbereitschaft spüren. Völlig unangebracht seien Vorwürfe und Respektlosigkeit.

Hohen Respekt zollten alle Teilnehmer einer Mutter, die offen über das Problem ihres Sohnes als Abhängigen sprach. Sichtlich betroffen waren alle, als sie von ihren Erfahrungen und der mangelnden Hilfe sprach. Die Referentinnen, AKS -Vorsitzender Siegfried Wohlmann wie Marco Gmelch als JU- Vorsitzender versprachen Unterstützung bei der Gründung einer Selbsthilfegruppe, die sich die betroffene Mutter so sehr wünschte. Rasche Lösungen erwarte man jedoch nicht, waren sich alle einig.